Le Mars
Ich bin jetzt knapp eine Woche in Le Mars, Iowa und habe mich schon an das Leben hier gewöhnt. Orientierung habe ich hier zwar noch nicht, aber ich nehme einmal an, dass sich das mit der Zeit legt.
Ich bin doch etwas weiter von Le Mars entfernt, als ich zuerst dachte. Es sind gute fünfzehn Minuten von hier bis nach Le Mars. So ist das Leben auf dem Land nun einmal und ohne Auto kann man hier nicht überleben. Nichtsdestotrotz geht es mir gut und Heimweh verspüre ich auch kaum.

Das Haus der Morrisons, mit denen ich zusammen lebe.
Le Mars Community High School
Die Vorstellung in Deutschland von einer High School ist etwas klischeehaft. Es ist nicht so, dass der Cheerleader-Captain (das Wort kann man leider nicht „gendern“, aber man kann sich denken, dass ein weibliches Wesen gemeint ist) mit dem Quarterback zusammen ist und dass unter den Schülern nach Beliebtheitsgraden getrennt wird. Nein, ganz im Gegenteil. Alle Schüler sind sehr nett. Sobald man nicht weiterkommt und Hilfe benötigt, wird einem geholfen, und man kann allen Fragen stellen und man bekommt keine blöde Antwort. Die Erfahrung von anderen, dass man am ersten Tag in der High School erst einmal nichts versteht, kann ich nicht bestätigen. Ich kann zwar auch nicht behaupten, dass ich alles verstanden habe, aber im Großen und Ganzen konnte ich viel von diesem ersten Schultag mitnehmen.
Verwirrend waren anfangs für mich die Lunchpausen: es gibt zwei Lunchpausen, das heißt die Schüäler werden in zwei Gruppen aufgeteilt, entweder in die erste Lunchpause oder in die Zweite.
Ich wurde dem Zettel, der Auskunft gibt, in welcher Lunchpause man ist, nach in die erste Lunchpause eingeteilt. Ich ging also ganz gemütlich mit Emily, meiner „host sister“, zu Dairy Queen, einem nahegelegenen Fast-Food-Restaurant und wir essen dort etwas, obwohl die Schule auch etwas zu essen anbietet und man auch dafür zahlt. Ich ging dann zu meiner Algebrastunde, die komischerweise nur zehn Minuten lang ging, um dann zu meiner nächsten Stunde, Studio Arts, zu gehen. Ich öffnete die Tür und etwa zwanzig Gesichter schauten mich an. Ich, ganz verwirrt, brummelte, stotterte vor mich hin: „Is this studio arts?“ Der Lehrer antwortete: „No, this is pottery.“ Ich entschuldigte mich, schloss die Tür und ging weiter, als der Lehrer aus dem Klassenzimmer herauskam und mich bat, ihm meinen Stundenplan zu zeigen. Ich zeigte ihm also meinen Stundenplan und er sagte mir, dass Studio Art in der nächsten Stunde ist. Gefangen im Schultrakt, ausgestattet mit meiner eigenen Desorientierung irrte ich nun herum, bis ich am Sekretariat ankam und dort um Hilfe bat. Wie sich dann später herausstellte ist über meinen Kopf hinweg meine Lunchpause geändert worden, weil meine Algebralehrerin nicht fünf Stunden am Stück halten wollte. Deshalb hat sie die Lunchpause mit meiner Chemielehrerin getauscht.
Wie alles andere in den USA ist auch die LCHS (Le Mars Community High School) mit einer Klimaanlage ausgestattet, was aber nicht heißen mag, dass sie von Vorteil ist. Die Schüler, die in Deutschland tagtäglich schwitzen müssen, werden mich wohl beneiden, allerdings ist die Klimaanlage nicht gerade angenehm. Man kann sich in der Schule fast nur mit Pullover aufhalten, weil es einfach zu kalt ist – gefühlte dreizehn Grad Celsius, was in Fahrenheit übrigens 55,4 Grad wären.
Umstellungen
Gute Überleitung. Für eine längere Zeit in ein anderes Land zu reisen, bedeutet immer Umstellung, egal in welchem Maße, für mich sind es die Temperatur- und die Längenmaße. Ich kann mir einfach unter 81 Grad Fahrenheit nicht vorstellen, wie warm es am nächsten Tag wird. Genauso mit dem Längenmaß: bei der Vorstellung des hiesigen Footballteams hat der Moderator einen Jungen betont, der 6,5 feet groß und 200 pounds schwer ist. Auch hier hatte ich keine Vorstellung von dem Jungen, weil wir zum Einen zu weit weg saßen, um ihn erkennen zu können und zum Anderen ich die amerikanischen Maßeinheiten nicht kannte. Erst als wir wieder zu Hause ankamen und ich nachschauen konnte, was die Maße umgerechnet in deutsche Maßeinheiten sind und dann kann man auch nachvollziehen, weshalb der Moderator den mehr als zwei Meter großen und 90 Kilogramm schweren Jungen so betont hatte.

Mein Stundenplan
(Spanish, American History, Chemistry, Individual Lifetime Sports (Mo, Mi und A-Fr) oder Study Hall (Di, Do und B-Fr), Algebra, Studio Art, Study Hall, Junior English)
Danke, das ist der Anreiz für meinen neuen Post.
Danke für diesen Einblick in Dein neues Leben. Vieles erinnert mich sehr an meinen (zu kurzen) Aufenthalt in den Staaten – insofern beneide ich Dich wirklich, gönne es Dir aber von Herzen!
Übrigens ist Dein Deutsch schon etwas holprig geworden. *zwinker*