Wenn Du durchhängst, …

2008 Dezember 3

von Floppi

… ist ein Song von Udo Lindenberg. Ich möchte hier aber nicht auf seine musikalischen Werke eingehen, sondern auf die von diesem Song angesprochene Thematik. Ich spreche hier von der Thematik der Einsamkeit.
Ich selbst spreche hier aus eigener Erfahrung aufgrund einer Phase in den letzten Wochen oder sogar Monaten, in denen ich mich sehr einsam gefühlt habe. Mein Alltag war immer der Gleiche; Schule, Hausaufgaben, vielleicht mal Gitarrenunterricht oder ein bisschen Gitarrespielen und Computer. Tag für Tag, Woche für Woche. Rausgekommen bin ich nur, wenn ich zur Schule gegangen bin oder zu Arztterminen. Aber was ist das für ein Leben? Jeden Tag die gleichen Leute, die selben vier Wände, die ich anstarre und der gleiche Bildschirm, der bei diesem Thema wohl einer der größten Rollen spielt. Selbst die schönsten Sachen, werden nichtig und klein, wie es Reinhard Mey sehr schön in Über den Wolken ausdrückt.

Seit Samstag habe ich dann gemerkt, dass ich etwas ändern muss, denn ich hatte ein intensives Gespräch mit einer guten Freundin, worüber ich ihr auch sehr dankbar bin. Dass ich täglich drei bis vier Stunden nachmittags mit Hausaufgaben verbringe, habe ich ihr gesagt und das nimmt mir ziemlich die Zeit, wenn ich, an guten Tagen, um zwei Uhr nach der Schule nach Hause komme. Ich bin dann um sechs Uhr fertig und dann folgt der größte Alltagskiller überhaupt: der Computer.
ICQ und SchülerVZ bringen dich runter, deine sozialen Kontakt gehen flöten, zwischenmenschlichte Ereignisse werden immer seltener, habe ich festgestellt. Dein bester Freund ist der Computer, und das ist nicht gut.
“Ich mache mir seit neustem eine Liste mit den Dingen, die ich schon seit langer Zeit machen möchte”, waren ihre Worte. Die Liste, ganz egal, ob sie fiktiv oder wirklich ist, mache ich mir auch. Für’s erste reichen mir Dinge, die ich auch ohne Probleme in der Wohnung machen kann, hauptsache ich entferne mich immer mehr von dem sechsstündigen, verzeiht mir diesen Ausdruck, Arschwundsitzen vor dem Computer.
Lesen ist da so ein Beispiel. Wie lange laufe ich mir schon hinterher, dass ich endlich wieder lese. Ein Jahr? Länger? In der Stickelmühle habe ich das Lesen immer wieder für mich entdeckt und mir jedes Mal fest vorgenommen, das Lesen die nächsten Woche fortzusetzen, aber was ist daraus geworden? Gar nichts.
Vor allem die Sache mit den sozialen Kontakten hat mir zu schaffen gemacht. Ich habe mich zwar nicht wie diejenigen, deren soziales Umfeld ausschließlich aus World of Warcraft besteht, gefühlt, aber froh konnte ich trotzdem nicht sein.
Jetzt mache ich einen Cut, mit dem ich vielleicht auch die Teenie-Zeit hinter mir lasse, denn ich bin ja keine Dreizehneinhalb mehr und Einsehen, etwas falsch gemacht zu haben, ist immerhin auch Teil des Erwachsenwerdens. Zu diesem Cut gehört auch das Festhalten an Prinzipien dazu. Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass spontane Dinge viel mehr Spaß als jede Woche das Gleiche und damit die ständige Monotonie zu unterbrechen.

Vielleicht fange ich aber auch diesen neuen Lebensabschnitt ein bisschen zu spät an, denn ich habe immerhin nur noch knappe acht Monate, bis ich dann für ein Jahr weg bin. Aber lieber jetzt als nie.
Und ein Grundsatz wird mich sicherlich bei meinem neuen Lebensabschnitt begleiten: lebe jeden Tag, als wäre es dein Letzter.

8 Responses leave one →
  1. 2008 Dezember 3
    Fabian permalink

    Hierzu sei gesagt, dass ich an guten Tagen um 16:50 Uhr, ansonsten 18:00 oder 19:00 Uhr zu Hause bin. Hausaufgaben und Co. werden dann am Abend oder unter Umständen in der Schule erledigt.
    Trotzdem finde ich Zeit für den Laufsport, der, auf meinem Niveau, an 5-6 Tagen in der Woche jeweils mindestens eine Stunde Training erfordert. Außerdem fahre ich nebenbei, vor allem an Wochenenden, Rennrad, spiele in der Schule Handball und Fußball.
    Ich kann zu Sport als Ausgleich nur raten. Ohne den wär ich wahrscheinlich auch längst durchgeknallt – auch wenn Fußball sich beispielsweise im Verein zeitlich nicht mehr machen ließ, dafür aber das Laufen.

    Soziale Kontakte gehen mir aber nicht flöten, da ich meine besten und engsten Freunde Tag für Tag in verschiedenen Kursen, in den Pausen und Freistunden sehe.

  2. 2008 Dezember 3

    Tja, ich kann nur sagen, dass ich es auch durchaus teilweise bedenklich fand, dass Du so viel Zeit am PC zubringst, und in den Ferien scheinbar nicht weißt, was Du mit Dir anfangen sollst, da ja keine Hausaufgaben zu erledigen sind. Habe mir aber schon gedacht, dass Du alt und vernünftig genug bist, dass Du merkst, wenn es überhand nimmt. Und das hast Du geschafft – gut!
    Man muss aber auch zu Deiner Verteidigung sagen, dass Deine Möglichkeiten, Sport zu machen, sehr limitiert sind. Trotzdem gibt es aber noch genug, was Du Dir zum Hobby machen könntest: Singen zum Beispiel. Das machst Du doch gerne und auch nicht schlecht; warum nicht einfach mal ausprobieren – die Ellen kennt da so einen Chor, der Männerstimmen sucht.
    Zum Thema soziale Kontakte: Auch die ergeben sich meistens mit dem Hobby – wenn es nicht gerade Briefmarken oder Bücher sind. Lesen ist trotzdem insofern ein guter Anfang, als es einen auch oft menschlich weiterbringt, gerade Romane. Etwas dabei lernen tut man immer.
    Dass Du Dich trotzdem nicht gleich mit Hobbys überschütten sollst, muss ich Dir wohl nicht sagen, schließlich war ich bis vor kurzem, wie Du weißt, selbst das Negativbeispiel. Nimm Dir ruhig viel Zeit für Dich selbst – gut verteilt auf zum Beispiel Bücher, Freunde, Musik… und ein bisschen PC.

    Viele liebe Grüße,
    Sören

  3. 2008 Dezember 3

    Ach ja, ich vergaß: Super Text! Sehr schön flüssig; nachdenklich, aber nicht zu pathetisch – Dein bester so far…

    Müsstest nur noch mal drüberlesen, da sind noch ein paar Fehlerchen und der WOW-Satz macht keinen Sinn.

  4. 2008 Dezember 3

    Habe auch meinen StudiVZ-Account vor einer Weile gelöscht – unter anderem, weil es zu viel Zeit gefressen hat. Ich finde, Du machst da einen klugen Schritt indem Du Dein Leben versuchst vom Computer wegzubewegen. Den Umgang mit dem Medium muss man lernen… und das ist nicht einfach. Ich kenne das selbst nur zu gut.

  5. 2008 Dezember 4

    Vielen Dank für das Lob, die Fehler sind größtenteils berichtigt.
    Ich nehme aufgrund der Zustimmungen an, dass das ein guter Schritt war, den ich getätigt habe.

    @Sören: Was deine Hobbys angeht, ist ohnehin das noch ein Mysterium für mich, wie Du es anstellst, alles unter Dach und Fach zu bringen. Das erinnert mich übrigens wieder an die guten alten Zeiten, als wir noch unsere Terminpläne dem jeweils anderen zugeschickt haben und so vergleichen konnten, wann wer mal Zeit hat.

  6. 2008 Dezember 4
    Ellen permalink

    wow, geht ins mark. doch um ehrlich zu sein, ich kann dir nachfühlen. lieben gruß!

  7. 2008 Dezember 4

    Okay, dann lass uns wieder Terminpläne abgleichen:
    Ich bin jeden Tag bis halb Vier in der Schule, habe montags Domchor, mittwochs Klavierunterricht, donnerstags Indoor-Soccer und freitags noch mal Chorprobe. Dienstags treffe ich mich meistens mit dem Matthias zum Kicken… Oh, meine Wochen sind ja doch voller, als ich gedacht habe, und das, obwohl ich mich massiv eingeschränkt habe. Aber dann nehme man noch Klavierspielen, LSV und Zeitungslesen dazu, und man sieht, dass ich immer noch zu viel mache.
    Na ja, Dominik, dann lass uns mal in den Ferien wieder treffen. Auch auf die Gefahr hin, dass wir vor dem PC oder der Playstation enden. :D

  8. 2008 Dezember 4
    elmicro89 permalink

    Dieser Artkel freut mich richtig. Zum einen kriege ich ein bischen einen Einblick, wer Du bist, und begrüße Deine offensichtliche Konsequenz und Selbstkritik. Dann ist der Schritt, den Du gezogen hast sehr zu begrüßen. Ich habe dieselben Konsequenzen auch vor einiger Zeit gezogen und kann Dir garantieren, dass das Leben einfach schöner wird. Nicht zuletzt gefällt mir der Text auch literarisch. Anregungen, was Du machen kannst, liegen hier ja schon viele vor. In diesem Sinne,

    Liebe Grüße

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