von kruemel
Bei Wikipedia werden Grüne Wähler als „überdurchschnittlich gebildet“ und „relativ jung“ beschrieben; ähnlich dürfte es bei den aktiven Grünen sein. Diese Einschätzung sah ich gestern bestätigt und freue mich, nun endgültig in der Partei angekommen zu sein: Ich werde bei den Kommunalwahlen am 7. Juni 2009 bei den Grünen Hartenberg-Münchfeld auf der Liste stehen, an dritter Stelle, mit doppelte Gewichtung; und das mit zarten 18 Jahren.
Die Gelegenheit, diesen Schritt zu tun, eröffnete sich mir schon recht bald nach meinem Aktivwerden in der Partei. Bei der ersten Kreismitgliederversammlung schnappte ich schon auf, dass man noch Kandidaten für die HaMü-Liste suche; bei der Zukunftswerkstatt kam ich dann mit der Kreisvorsitzenden ins Gespräch, die mir von vielen jungen Grünen Ortsbeiräten berichtete, und schon einmal andeutete, dass ich mich damit mal auseinandersetzen sollte. Den endgültigen Kick, mich in dieses weitere Engagement zu stürzen, bekam ich dann – natürlich – beim Fußballgucken, als ein Freund meines Vaters, der für die Grünen schon viele Male im Ortsbeirat saß, berichtete, dass er und sein Kollege nicht wieder antreten würden. Auch er schlug mir auf Anhieb vor, dass ich mich mal auf die Liste setzen lasse.
Da ich sowieso politisch unbedingt aktiv werden wollte – nicht nur bei Veranstaltungen, sondern auch in Gremien -, fiel mir die Entscheidung für die Kandidatur denkbar leicht; erst als ich mir Gedanken über meine berufliche Zukunft machte und zu dem Schluss kam, dass ich nach dem Abitur im Frühjahr 2010 gerne aus Mainz – oder sogar Deutschland – weg möchte, kamen erste Zweifel auf. Ist es unfair, sich vorne auf eine Liste setzen zu lassen, wenn man davon ausgeht, dass man ein Jahr nach der Wahl schon wieder den Bezirk, und damit auch den Ortsbeirat, verlässt? An sich schon, wenn es ambitioniertere Kandidaten in Hülle und Fülle gäbe; da es aber in meinem Stadtteil nicht den geringsten Kampf um die Grünen Listenplätze gibt, ist ein einjähriges Engagement besser als gar keins – bei einem tatsächlichen Ausstieg gibt es trotzdem genug Nachrücker, so dass der Grüne Ortsbeiratssitz nicht in Gefahr ist.
Deren haben die Grünen in HaMü seit 2005 zwei inne, die bis dato allerdings von Nicht-Parteimitglieder begleitet wurden, die trotzdem im Auftrag der Grünen Politik machen. Nun haben wir uns gestern im Team der neuen Grünen Listenmenschen auf das Ziel eingeschworen, alles Mögliche zu tun, um einen dritten Sitz im OBR zu erhalten – der uns bei etwa 20 Prozent zusteht; 2005 hatten wir um die 14 Prozent. „Wir“, das sind, wie oben angerissen, sieben vorwiegend junge Menschen: drei Studenten, eine Wirtschaftsjuristin, ein Altenpfleger, ein Schüler – und ein Rentner, der noch freiberuflich arbeitet: mein Vater. Er nämlich sympathisiert schon länger mit den Grünen, wählt immer wieder Grün, und freute sich nicht nun, dass sein Stiefsohn – mein Halbbruder – und auch ich in dieser Partei heimisch geworden sind. Er selbst war nie Mitglied einer Partei, aber begleitete mich trotzdem zu der Listenaufstellung, und hatte schon vorher laut drüber nachgedacht, sich auf einen hinteren Listenplatz eintragen zu lassen.
Mich freut es wirklich, dass wir nun zusammen Wahlkampf machen können, und er hat bekräftigt, dass er es in diesem Falle auch angemessen findet, dass der Junior vor dem Senior steht: er auf Sieben, ich auf Drei. Es ist jedoch gut möglich, dass er durch seine doch recht große Bekanntheit – zumindest im Wohngebiet – einige Stimmen mehr als die vorderen Listenkandidaten erhält; die er dann eben auch für uns Grüne generell sammelt, wofür wir ihm jetzt schon dankbar sind. Dass er es aufgrund seiner Popularität sogar noch vor mich und in den Ortsbeirat schafft, ist dagegen unwahrscheinlich, da ich ja als Nummer drei auf der Liste doppelt genannt werde. Nun überlegen wir beide schon, ob wir nicht aus Parteisolidarität auch für die – noch freien – hinteren Plätze der Grünen Stadtratsliste bereitstehen wollen – wie Sohn, so Vater. Auch hier wären das sicherlich einige zig Stimmen mehr, die auf einmal zumindest in der Erststimme Grün werden, weil man meinen Vater nun mal in ganz Mainz kennt und schätzt.
Dass ich nicht wie erwartet auf eins oder zwei der Liste stehe, erklärt sich dadurch, dass zur Listenaufstellung doch mehr Grüne kamen, als erhofft. Die, die die Möglichkeit hatten, kandidierten auch noch alle, und so ließ ich erstens – Grün wie ich bin – einer Frau den Vortritt und zweitens dann noch einem Mann, der mir mehr politischen Hintergrund und Tatendrang zu haben schien als ich. Direkt im Anschluss wurde ich von einer der auf den hinteren Plätzen kandidierenden Studentin, die bis vor nicht allzu langer Zeit Landesgeschäftsführerin der Grünen Jugend (GJ) war, darauf hingewiesen, dass die GJ gerade ein Projekt zur Förderung junger OBR-Kandidaten starte, das mir im Wahlkampf helfen könnte. Mit dieser Unterstützung und dem, wie ich glaube, sehr dynamischen Listenteam, sehe ich den kommenden Wahlvorbereitungen sehr positiv entgegen, und ganz egal, was dabei im Endeffekt herauskommt: Ich lerne auf alle Fälle etwas fürs Leben – im ersten Wahlkampf meines eben noch jungen Grünen Daseins.
Hallo Sören,
„wie Sohn, so Vater“ – das ist schon bemerkenswert. Normalerweise macht’s ja der Sohn dem Vater nach und dem Vater gebührt der Vortritt. Es ist tatsächlich so, dass Deine Kandiatur der Impuls für mich war, ebenfalls zu kandidieren. „Für GRÜN ist man nie zu alt“ – das könnte mein Wahlkampf-Slogan sein. Oder: „Es ist selten zu früh und nie zu spät, GRÜN zu wählen.“ Du siehst, in meinem Kopf hat der Wahlkampf schon begonnen. Doch zunächst kommt die adventliche Pause, dann ab Januar die Planung und im Mai/Juni dann die heiße Phase.
Dein Mitkandidat
hey Brüderchen, hey Günther.
Ich finde das ausgesprochen…. super… dass Ihr Beide das macht. Sag mal Sören, können wir Günther nicht auch noch in die Partei holen ??? :-)
Bei mir entscheidet es sich am 4.12. ob ich Direktkandidat werde. Inzwischen finden sich offenbar noch andere Bewerber für das Direktmandat – das ist gut für die Demokratie und schlecht für meine Nerven…
Meine Bewerbung ist übrigens auch inzwischen im Netz zu lesen:
http://benjamin.dahlhoff.com/wp/?p=70
Allerdings wird die Seite noch bis 05.12., also bis nach der weisen Entscheidung der Wiesbadener Grünen Baustelle bleiben :-)
Liebe Grüße
Benjamin