von kruemel
Das Gedicht „Mahomets-Gesang“ von Johann Wolfgang Goethe aus dem Jahr 1772/73 erzählt von einem Bach, der klein anfängt, bis zum Ozean anschwillt, und, weil sich ihm andere Gewässer anschließen, zum brausenden Strom wird.
Die ersten fünf Strophen beschreiben den Ursprung des Baches im Felsenquell (Zeile 1), seinen ersten Zusammenschluss mit anderen Rinnsalen (15), die lebenswichtige Bedeutung des Wassers für die Natur (19-21) und seine Rastlosigkeit (22).
Die fünf weiteren Strophen handeln von seinem Anschwillen zu einem breiten Fluss (54) und seiner Rolle als „Großem Bruder“ (35) und Anführer anderer Bäche und Flüsse. Diese soll er zum Vater – dem Ozean - zurückbringen (37); was ihm schließlich gelingt (71/72).
Der Hinweis auf den Propheten Mohammed taucht nur in der Überschrift auf, was viele Interpretationsansätze bietet: So könnte der Bach Mohammed als Lebensspender und Anführer der Gläubigen symbolisieren; in diesem Fall wäre der Ozean Gott, der das Ziel aller sehnsüchtigen Menschen ist.
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Alles in allem besteht das Gedicht aus 10 Strophen, die allerdings ganz unterschiedlich lang sind. Die Verse sind hierbei nicht gereimt und ebenfalls nicht regelmäßig lang, eine Kadenz ist nicht zu erkennen; trotzdem entsteht ein Trochäus.
„Mahomets-Gesang“ beginnt mit einer Aufforderung: „Seht den Felsenquell“ (1), so dass sich der Leser gleich angesprochen fühlt. Die Quelle wird weiter als „freudehell“ (2) beschrieben und mit den Sternen (3) verglichen, um ihren Glanz und ihre Erhabenheit zu paraphrasieren. Sie sei von „Guten Geistern“ (5) und Wolken aus Steinen im Gebüsch gezüchtet. So wird der Ursprung des Bächleins klar und die nächste Strophe widmet sich weiter der Entstehung aus der Wolke, durch den Felsen, „jünglichfrisch“ (8) an die Oberfläche, wieder gen Himmel strebend (12), der Kreislauf der Natur. (…)
Gothe benutzt zum Beschreiben dieser Vorgänge neben eben Begriffen aus der Natur viele Wörter aus dem Wortfeld Familie. Von den Brüdern ist die Rede, von Kindern, und vom Vater. Wir sind alle eine Gemeinschaft, will Goethe damit ausdrücken, wir haben eine Hierarchie und sind aufeinander angewiesen.
Interessanterweise zielen Goethes Metaphern meist auf den Menschen, oder menschliches Verhalten, ab. Umgekehrt nimmt man zum Erklären menschlicher Zusammenhänge oft Bilder aus der Natur – wir scheinen viel gemeinsam zu haben.
(Stilmittel)
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Zusammenfassend kann man sagen, dass Goethe einen anschaulichen Vorgang aus der Natur nimmt, ihn in all seinen Details beschreibt und dabei Ähnlichkeiten mit dem Wesen des Menschen erkennen lässt.
Auf die Idee, das Ganze mit Religion – oder dem Schaffen einer religiösen Person – in Verbindung zu setzen, kommt man nur durch die Überschrift. berücksichtigt man diese beim Lesen und Verstehen des Gedichtes, so werden jedoch die Parallelen klar, und man kann die Auswahl der Verbildlichung des religiösen Prozesses durchaus nachvollziehen.