von kruemel
Die ersten eigenen CDs interessierten mich nicht wirklich. Was will man als Kind schon mit Classical made in Austria, den neun beethovschen Sinfonien oder auch mit Konzert für Junge Leute? Natürlich wuchs ich in einer Familie auf, in der viel wert auf klassische Musik gelegt wird. Sonntagmorgens beim Croissant Streichquartette, abends in der Badewanne Carmina Burana, auf langen Autofahrten HR2 oder Bayern4. Nicht dass ich mich gar nicht mit dieser Musik identifizieren konnte – ich sang schließlich begeistert im Domchor und spielte Klavier -, aber irgendetwas hat mir damals gefehlt; und so kommt es, dass ich anfänglich ziemlich ohne eigene Musik groß geworden bin. Irgendwo in der Wohnung fand ich hin und wieder Pet Shop Boys-EPs von meinem Bruder: Ganz nett, aber wirklich nichts, das einen in der Orientierungsstufe glücklich macht.
Dann kam die siebte Klasse und mir ihr die Leute, die ich heute als „meine langhaarigen Chaoten“ betitele. Damals hatten sie noch brave Frisuren, hohe Stimmchen; aber sie hatten auch das, was ich noch nicht hatte: Musikgeschmack. Nicht jedermanns Sache, aber vielleicht deshalb gut – es war ein eigener Geschmack und nicht der der Eltern, des Bruders, des Radios. Die meistgehörte Band unter ihnen hieß: Linkin Park; das 2003 frisch erschienene Album Meteora war die Verkörperung all unserer vorpupertären Bedürfnisse: Krach, Aufmerksamkeit, Melancholie, Lebensgefühl. Dass der Frontmann Chester Bennington ein echtes Drogenproblem hat, war uns klar – aber so etwas von egal, denn es ging ja um die Musik.
Wie auch immer: Ich brauchte eine Weile um mich ebenfalls von der Musik begeistern zu lassen – bis man mir irgendwann Meteora in die Hand drückte. Ich war sofort begeistert; das war meine Musik! Da ich die CD dann irgendwann zurückgeben musste, kaufte ich sie mir selbst und nahm sie samt meines Discmans auf ein Gemeindewochenende mit. Ich erinnere mich noch, wie mich mich das ganze Wochenende über diese Investition freute: Meine erste wirklich eigene CD, meine erste eigene Musik.
Als mein Vater eines Tages mal fragte, was das denn für eine Musik wäre, die sich da auf der CD befindet, die ich ständig bei mir trage, meinte ich nur „Was Modernes…“, und er war zufrieden. Meteora begleitete mich tatsächlich überall hin, und vielerorts wurde ich dafür sogar bewundert. So lagen Dominik und ich damals nächtelang in unserem dunklen Zimmer in der Stickelmühle und hörten Meteora – über Ohrstöpsel, die wir auf maximaler Lautstärke zwischen uns baumeln ließen. Als ich einenen anderen Freund – Raffi – in Bremen besuchte, war es das gleiche: Du hast Meteora? Geil!
Die Alben Live in Texas und Hybrid Theory besorgte ich mir ebenfalls bald. Zwar verlor ich Linkin Park im Laufe der Jahre immer wieder für Monate oder sogar Jahre aus den Augen, doch immer mal wieder gibt es mir auch heute noch einen ziemlichen Kick. Zu meinem 18. Geburtstag vor wenigen Wochen bekam ich jedenfalls von meinem Klavierlehrer eine CD geschenkt: Beethovens viertes und fünftes Klavierkonzert. Gestern fuhr ich dann eine Stunde lang mit dem Bus nach Wiesbaden und hörte: eine halbe Stunde Klavierkonzerte, eine halbe Stunde Linkin Park – beides aus eigener Motivation und mit heller Begeisterung.
Linkin Park: Meteora/ Warner Bros Records
Hey, da sind ja die Comments länger geworden, als der Artikel… Freut mich! Vielen Dank für das Feedback und schön, dass Ihr ein bisschen von Eurer Musik erzählt habt. So stelle ich mir das vor. :)
Super!
Ich bin begeistert! Wirklich schöner Artikel. Ich kann dir ganz und gar nachfühlen, nur bin ich nicht mit Linkin Park sonder mit mehr Mädchenmusik eingestiegen, die sich aber noch immer in meinm CD-Regal befindet und in ungeahnten seltenen Momenten wieder zum vorschein kommt, dann in den Player eingelegt wird und ich mich tierisch darüber freue, dass ich die Texte noch kann und dass es die CD noch gibt. Du siehst: Ich verstehe deine Begeisterung. Lieben Gruß von deiner besten Freundin und bis Dienstag (lets call it “ the day of the pants“ or just „pants-day“)
Ich kann für mich sagen, dass es mir ähnlich ging, nur dass ich meine erste eigene Platte bereits in den guten alten Grundschulzeiten hatte. Es war damals eine Newcomerband die mich begeisterte (Score). Darauf habe ich mir dann auch Alben der Toten Hosen gegönnt und bin so auf den Musikgeschmack gekommen. Allerdings besitze ich ähnlich wie du einen sich temporär ändernden Musikgeschmack und höre eigentlich alles von Rock, über Blues und Jazz bis Klassik.
Aber ich denke auch, dass es gut ist eine Platte Aufweisen zu können und fühle mich jetzt nach deinem 1-A-Text wieder ein wenig in die alten Zeiten zurückversetzt. ;-P
Also mach weiter so mit deinen Texten/Berichten/…sind echt erste Sahne. =D
Ach, die alten Zeiten…..
Schöne Zeiten!
Wiedermal schön deine Worte verschriftlicht bewundern zu dürfen^^
Muss aber hinzufügen, dass es nicht so war, dass, zumindest bei mir, schon ein Musikgeschmack vorhanden war. Ich würde sagen, dass wir beide Suchende waren.
War auch für mich damals ein Meilenstein, auch wenn ich mich bis heute dann wieder weiterentwickelt habe. Höre die CDs wie „Meteora“ immernoch gerne. Da kommen bei mir auch erinnerungen hoch an die Zeiten von damals…..ach!
Keep on rocking (und natürlich auch writing) ;D
Obwohl ich schon immer einen Musikgeschmack hatte, irgendwo ganz tief drin und mehr oder weniger unterbewusst, gab bzw. gibt es auch bei mir ein solches Album, was eine Reifung dieses Geschmacks bewirkt hat. Sowas zeigt, wie sehr man sich mit Musik beschäftigt, denn meiner Erfahrung nach haben Leute, die kein solches Album aufweisen können auch keine Leitlinien, was Musik anbelangt und sind zumesit mit den Charts zufrieden. Dass Du so eine Platte bennen kannst, wundert mich allerdings kaum. ;)
Auch vom Schriftstellerischen her wie immer ein Genuss.
Grüße